Meine Erfahrungen: Wings for Life Worldrun 2015

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Das war der Wings of Life Worldrun – eine konkurrenzlos gute Laufveranstaltung!

Am Sonntag stand der Wings for Life Worldrun auf dem Plan.
Zuerst hatte ich morgens keine Lust an diesem Lauf teilzunehmen und hatte sogar echte Sorgen ein einigermaßen vernünftiges Ergebnis zu erzielen. Persönlich hatte ich im Vorfeld die 10 km im Blick, welche ich gestern dann auf 7 km herunterschraubte und hoffte diese dann irgendwie zu schaffen.

Video: Wings for Life World Run 2015

On May 3, 2015, runners around the world will once again unite to experience the joy, spirit and passion of this incredible global race. Step up, nominate friends, challenge family and run for those who can’t by registering here: http://wingsforlifeworldrun.com

Der Start

DSC00149©Startplatz war für dieses einmalige Laufevent der Coubertinplatz im Münchener Olympiapark.
Eine denkwürdige Kulisse für sportliche Veranstaltungen. Sehr imposant war dann die Tatsache zu sehen, dass der Lauf komplett ausverkauft war und so 4000 Läufer unterschiedlichster Stärke erwartet wurden.

Das Starterfeld wurde in vier Blöcke unterteilt, sodass die schnellen Läufer natürlich vorweg laufen können und wir Freizeitläufer diese nicht ausbremsen. Durch die Angabe bei der Registrierung erfolgte die Einteilung in die entsprechenden Startblöcke. Durch eine zu erwartende Distanz von ca. 10 km wurde ich in den letzten Startblock D eingeordnet. Nach dem B2Run war ich hier schon auf eine relativ lange Wartezeit gefasst, was sich aufgrund der recht breiten Streckenführung jedoch glücklicherweise ausbleiben sollte.

Der Lauf

Die breite Streckenführung – es muss ja ein Auto neben die Läufer zur Zeitnahme passen – war die Strecke sehr angenehm, der Start sehr schnell. Aus dem letzten Block war ich dann bereits nach zwei Minuten an der Startlinie – und das wohlgemerkt aus dem letzten Block. Während des Rennens bahnen sich hin und wieder Motorräder der Polizei oder der mediale Berichterstattung von hinten durch die Menge, auch hier bringt die Breite wieder entscheidende Vorteile. Zudem fliegt ein Hubschrauber über die Menge – ein ungewohntes Gefühl, aber auch etwas ganz besonderes.

Die Ziellinie

Wings for Life Worldrun Catcher CarDieser Lauf ist wohl der einzige weltweit, der keine feste Ziellinie besitzt. Jeder Läufer kämpft für sich selbst gegen seine eigene Vorgabe. Auf dem Bild seht ihr wie die „Ziellinie“ bei diesem Lauf aussieht.

Die sogenannten Catcher Cars fahren nach 30 Minuten die Strecke vom Start weg ab und „sammeln“ die Läufer als bewegliche Zielline von hinten wieder ein. Dazu werden jeweils eine Stunde 15, 16, 17, 20 und letztendlich bis zum Schluss 35 km/h gefahren.

Im Läuferpulk sammeln alle beim Anblick des Autos noch die letzten Kräfte zu einem Spurt, sobald sie dieses entdecken um noch ein paar Meter zusätzlich zurückzulegen.

Eindrücke zum Worldrun

Am 14. Oktober 2014 wurde ich vermutlich auf der Marathonmesse in München zum München Marathon, an dem ich drei Tage lang in der Startnummernausgabe mitgeholfen habe, auf den Worldrun aufmerksam. So machte ich mich dann über die sehr interessante Veranstaltung schlau und dachte mir dann auch sofort – da will ich dabei sein!
Das ist kein klassischer Lauf, die fahrende Ziellinie macht das Rennen erst richtig reizvoll und dass zudem 100% der Startgelder an die Stiftung gehen waren mir Argumente genug, denn ein Feuerwehrmann ist mit so etwas dann sehr schnell geködert. :-)

So meldete ich mich dann am gleichen Tag für den Lauf an. Die 36 Euro Startgebühr gab ich mit einem sehr guten Gefühl aus und freute mich bereits auf diesen einzigartigen Lauf. Leider konnte ich niemanden in meiner Arbeit oder im Freundeskreis von dieser Veranstaltung überzeugen, wie sich herausstellte haben sie definitiv etwas tolles verpasst. Aber zurück vor den Lauf…

Am 21. April 2015 kam dann die E-Mail mit meiner Startnummer. „Hoppala, da war ja noch was. Hilfe! Ich bin noch keinen einzigen Kilometer gelaufen…“. Dies sollte sich aber auch bis zum Start nicht mehr ändern, der große Lauftag rückte unweigerlich näher…

Einen Tag vor dem Lauf war ich mit meinem Kopf bei ganz anderen Sachen, die mich beschäftigen sollten und die Motivation zur Teilnahme noch mehr nach unten schraubten. Nach einem Chat mit einer sehr lieben ehemaligen Arbeitskollegin konnte sie mich doch überzeugen es zu probieren und die Gelegenheit zu nutzen um mir meinen Kopf etwas frei zu laufen.

Wings of Life Worldrun: Start in München am Coubertinplatz©Zu Beginn war die Warterei im Startblock D angesagt, ich schraubte zu diesem Zeitpunkt mein Ziel von 10 km auf 7 km zurück und hoffte diese zu schaffen, da ich seit einiger Zeit quasi garkeinen Sport mehr gemacht hatte. Der leichte Regen machte dies zwar nicht angenehmer, aber Mann ist ja schließlich nicht aus Zucker. Das Aufwärmprogramm bekam man im hintersten Startblock nicht mehr wirklich mit, so dehnte ich mich etwas in Eigenregie. Kurz vor Beginn des Laufs schauten immer wieder Läufer in den Himmel, denn dort kreiste nun schon seit ein paar Minuten der Hubschrauber für die Luftaufnahmen, denn diese werden alle gesammelt nach Österreich übertragen und dort zu einer Live-Sendung mit Berichterstattung und Kommentatoren zusammengefasst. Wer sich dies einmal anschauen möchte, kann dies gerne im YouTube-Video tun – aber Vorsicht. Das ganze Video dauert gute sechs Stunden…

Video: Wings for Life World Run 2015 - LIVE

The Wings for Life World Run is a global running event. Athletes in 35 locations around the world start at precisely the same time, 11am UTC. As if that wasn’t unique enough, the race has no finish line. Instead, the runners are followed by a Catcher Car, which takes off 30 minutes after the start at 15km/h and steadily increases its speed until the last athletes have been caught. Relive all the action and see you again on May 8, 2016 for the third Wings for Life World Run. www.wingsforlifeworldrun.com

Wings for Life Worldrun: Startklar©Der Startschuss fällt pünktlich um 11:00 Uhr UTC – in Deutschland 13:00 Uhr. Nun machen sich die 73360 Teilnehmer weltweit gleichzeitig auf den Weg um möglichst viele Kilometer zu laufen bevor jeden einzelnen die Catcher Cars einholen würden.

Nach den ersten Kilometern machte sich mehr Trainingszustand schon deutlich bemerkbar. Ich freute mich über vier absolvierte Kilometer, nun sollten die Catcher Cars an der Startlinie losfahren. Ab jetzt wird es ernst, die Schonzeit ist vorbei. Der Blick wandert unweigerlich immer wieder auf die Pulsuhr, welche mich ständig über meinen Puls, die Kilometer und die gelaufene Zeit informierte.

Der Kilometer sechs ist geschafft und die Autos nun seit 10 Minuten unterwegs und haben somit 2,5 Kilometer zurückgelegt. Noch sind also 3,5 Kilometer zwischen mir und meiner persönlichen Ziellinie, die sich von hinten nähern würde. Das gesteckte Ziel am Start ist also erreichbar und es würden doch wohl trotz Gehpausen gute sieben Kilometer machbar sein. Hoffnung machte sich breit.

Hey da ist der gesteckte siebte Kilometer. Ich bin nun sein ca. 47 Minuten unterwegs, was auch bedeutet, dass die Catcher Cars nun 4,25 Kilometer und somit 2,75 Kilometer hinter mir wären. Der Abstand verkürzt sich natürlich. Ich überschlage bereits, dass das ursprüngliche Ziel vielleicht doch noch schaffbar wäre und ich mit beweisen könnte, dass ich mein Vorhaben hier erfüllen kann, auch wenn ich zu besserem in der Lage gewesen wäre, wenn ich trainiert hätte. Immer wieder wandert der Blick auf die Pulsuhr und das Kopfrechnen zur Ermittlung des Vorsprungs zum Auto beginnt wieder aufs neue.

WIngs of Life Worldrun: Die Anwohner motivieren fleißig©Das Rennen geht weiter, so folgt das Schild für Kilometer acht. Mein Kopf ist seit einiger zeit nur auf eines konzentriert: mich im Wings of Life Worldrun! Sport tut so gutu sich von Sorgen und dem Alltag zu befreien. Die Strecke ist sehr schön gewält. Sie führt durch Waldstücke, in denen natürlich die Strecke sehr verschlammt ist, dann weiter in ein Wohngebiet. An den Straßenrändern stehen die Bewohner und feuern die Läufer fleißig mit Ratschen, Trommeln oder Vuvuzelas an. Das ist das unbeschreibliche an solchen Läufen. Ich fühle mich wieder in 2012 zurückversetzt, wo ich das selbe auf der BR-Radltour erleben durfte. Die Menschen schenken einem mit Zurufen wie „ihr seid spitze – weiter so“ neue Kraft. In dem Bereich in dem ich laufe sind schließlich keine Profiläufer dabei. Teils emotional hat mich auf der Strecke bereits getroffen, dass die Rollstuhlfahrer teils aus eigener Kraft die Strecke bewältigen oder von andern Läufern geschoben oder gezogen werden. Besonders toll war dies in einem Waldgebiet zu sehen, in dem zwei Läufer eine Rollstuhlfahrer an den Händen nahmen und sie eine Steigung mit hoch zogen.

Der Alltag scheint für diese eine Stunde nun fast vergessen, die Temperatur und der Regen machen zu schaffen und ich huste schon öfter als ich jetzt Kilometer neun erreiche. Die Glückshormone übernehmen allmählich die Kontrolle über mich, da mein Ziel nun in greifbarer Nähe ist und ich die Catcher Cars „erst“ 7,5 Kilometer zurückgelegt haben – ich habe also noch Puffer und bei einer Pace von 7 Minuten würde das bedeuten, dass ich noch 1,25 Kilometer schaffen könnte. Im Durchschnitt bin ich aber etwas schneller.

Wings for Life Worldrun: Catcher Car©Nun wird es allmählich gefährlich, ich schaue mich schon immer wieder um, ob nicht doch schon das Auto hinter mir zu sehen ist. Doch nein, bis Kilometer zehn kann ich es noch nicht ausmachen. Der Anblick des Schildes war ein wahres Highlight. „Du hast grad wirklich die 10 km Marke geschafft. Wahnsinn!“, aber das Catcher Car sitzt mit dann schließlich doch bald im Nacken. Ich setzt noch zu einem Spurt an um ein paar Meter gut zu machen. Ich schätzte das Ergebnis auf ca. 10,3 km, als mich dann das erste Auto überholte, doch hatte ich das zweite vergessen, dass dann eigentlich erst die wirkliche Ziellinie bildete. Dieses fährt etwas 20 Meter hinter dem Ersten.

Wings for Life Worldrun: Live-ErgebnisseAus Ende vorbei. Es ist etwa 13:15 Uhr Ich habe alles mir mögliche gegeben und bin stolz auf mich die zehn Kilometer erreicht zu haben.
Natürlich wollte ich so schnell wie möglich das Ergebnis von mir wissen. Vor dem Start fand ich die Live-Seite zum Worldrun mit der Ansicht für einzelne Teilnehmer. So ging ich wieder auf die Seite und musste mit entsetzen feststellen, dass dort ein „ist nicht gestartet“ angezeigt wurde. Die Enttäuschung machte sich dann breit als ich wohl damit rechnen musste, dass die Zeitwertung bei mir nicht richtig funktionierte.

Am Montag wartete ich dann sehnsüchtig auf die Auswertung, eventuell sollten dann ja doch noch meine Daten im System auftauchen und offiziell bestätigen, dass ich gut 10 km geschafft hatte und so war es schließlich auch. Meine Daten wurden sichtbar und im Laufe des Tages erhielt ich dann wieder eine E-Mail vom Worldrun – ein Dankesschreiben für die Teilnahme, der Spendensumme und der Benachrichtigung, dass man seine Urkunde nun downloaden könne.

Fazit: Die Veranstaltung ist der Hammer. Es macht richtig Spaß mitzumachen und Teil der wortwörtlichen globalen Bewegung zu sein. Ich kann es nur jedem empfehlen dort mitzumachen und seinen ganz persönlichen Lauf gegen sich selbst zu starten. Ganz streng nach dem Motto: Wir laufen für die, die es nicht können!
Ich bin nächstes Jahr definitiv wieder dabei!

Wings for Life Worldrun 2015

Ergebnisse

Am diesjährigen Laug nahmen 73360 Personen teil.

Mit 10,29 gelaufenen Kilometern landete ich weltweit auf dem 32325. Platz, somit gehöre ich zu den vorderen 44% der Teilnehmer. Mit dem Ergebnis bin ich mehr als nur zufrieden, vor allem vor der Tatsache, dass ich total untrainiert an den Start ging.

Das lokale Ergebnis für München fiel mit dem 1687. Platz von 3228 Teilnehmern (vordere 52%) für mich ebenfalls sehr zufriedenstellend aus.

Aber eines darf man nie vergessen: Platzierung schön und gut. Man misst sich immer mit anderen, doch haben hier 73360 Läufer für den guten Zweck die Veranstaltung besucht. Angemeldet waren sogar 101280 Teilnehmer, wodurch die Wings of Life-Stifung mit 4,2 Millionen Euro unterstützt werden konnte, denn 100% der Startgelder fließen in diese Stiftung.

Die administrativen Kosten der Stiftung und des Worldruns trägt die Firma Red Bull. Auch hierfür ein herzliches Dankeschön von meiner Seite für die professionelle Durchführung und das Engagement für den guten Zweck.