Jede Minute zählt: Rettungsgasse bilden!

von

Jeder von uns hat in seiner Fahrschulzeit schon mal etwas von der Rettungsgasse gelernt, aber warum können es anscheinend mehr als 99% der deutschen Autofahrer nicht?
Und warum klappt das in Österreich viel besser?!

Auf meinem täglichen Arbeitsweg der Autobahn A9 nach München und zurück kommt es ja durchaus nicht selten zu zähfließendem Verkehr oder gar zu Staus.
Aktuell wohl hauptsächlich durch den Rückreiseverkehr und die Baustelle ab Allershausen bildet sich sehr schnell zu den Stoßzeiten ein weitläufiger Stau.

Doch was ist, wenn der Stau nicht durch eine Baustelle verursacht wurde oder gar ein Auslöser für einen Unfall ist?
Alle Autofahrer fahren auf die letzten Zentimeter auf den Vordermann auf – jeder wo er gerade steht mitten in den Spur oder gar auf der falschen Seite.
Hinzukommen die Leute, die dann noch meinen durch ständige Fahrspurwechsel schneller ans Ziel zu kommen. Dies alles stellt zusätzliche Risiken für Unfälle dar.

Eine Panne oder ein Unfall – was nun?!

Schneller als man denkt ist dann die Situation Realität – für die Verunfallten oder Liegengebliebenen wird Hilfe in Form von Rettungskräften benötigt.
Doch wenn nun die Rettungsgasse nicht funktioniert, kann aus einer Fahrt von normal fünf bis zehn Minuten ein Martyrium werden.
Bei einigen Verkehrsteilnehmern bricht Hektik aus, oder sie reagieren erst dann wenn das Einsatzfahrzeug mit Blaulicht und Martinshorn direkt hinter ihnen steht und sie aber nach vorne so gut wie keinen Platz mehr haben richtig zu reagieren.

Rechtliche Situation

Stockt der Verkehr auf Autobahnen und Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Richtung, müssen Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen in der Mitte der Richtungsfahrbahn, bei Fahrbahnen mit drei Fahrstreifen für eine Richtung zwischen dem linken und dem mittleren Fahrstreifen, eine freie Gasse bilden.

StVo §11 Abs. 2

Der ein oder andere von euch wird nun sagen: Was? Rettungsgasse bilder ist Pflicht? Ja, ist sie – seit 1982, nicht erst seit gestern!

Bilder sagen mehr als tausend Worte…

Der Text in der Straßenverkehrsordnung ist ja Recht und schön, doch wie soll das Ganze denn nun aussehen?

Video: Der R.SH Rettungsgassensong feat. Frank Bremser

Zusammen sind wir Schleswig-Holstein! Zusammen wollen wir die Straßen sicherer machen!

Auf vielfachen Wunsch der Rettungskräfte in Schleswig- Holstein haben wir uns dem Thema Rettungsgasse angenommen. Hier ist der RSH Rettungsgassensong aus dem Frühstücksclub.

R.SH – der beste Verkehrsfunk exklusiv für Schleswig-Holstein: http://www.rsh.de/verkehr

Abonniere uns unter: https://www.youtube.com/rshradio
Like uns bei Facebook: https://de-de.facebook.com/rshradio
Folge uns bei Twitter unter: https://twitter.com/RSHradio

Warum ist der Standstreifen kein Rettungsweg?

Der Standstreifen ist nicht immer durchgehend ausgebaut und daher nicht immer als Rettungsweg geeignet.
Zudem können liegengebliebene Fahrzeuge, die auf de Standstreifen vor der Unfallstelle stehen den Weg zusätzlich blockieren.

Kampagnen auf deutschen Straßen

Banner an einer Autobahnbrücke auf der A9 Fahrtrichtung NürnbergBanner an einer Autobahnbrücke auf der A9 Fahrtrichtung Nürnberg

Auf der A9 in beiden Fahrtrichtungen befinden sich immer wieder an Brücken Banner mit dem Hinweis auf die Rettungsgasse.
Leider werden diese wohl bewusst missachtet. Sollte sich ein Fahrer – zum Beispiel mit Feuerwehraufkleber am Heck – dann doch entschließen die Rettungsgasse versuchen vorzumachen, dann wird sogar gehupt, weil die anderen Fahrer auf der rechts daneben liegenden Spur ihre Pflicht nicht erkennen und ein wenig weiter nach rechts fahren müssten.

Kampagnen in Österreich

Die ASFiNAG hat vor der Einführung der Rettungsgassen-Pflicht eine große Aufklärungskampagne gestartet. Auch ein Video von der Bundesautobahn A2 in Österreich nachdem 19 Monate nach der Einführung der Pflicht vergangen waren, zeigt dass die Kampagne und vermutlich auch die Bußgelder, auf die ich noch kommen werde hier eine gute Wirkung erzielt haben.

Doch warum funktioniert das nicht?

Ich denke, dass im Gegensatz zu Österreich hierzulande einfach zu wenig strikt durchgegriffen wird.
Selbst in Deutschland besteht die Möglichkeit eines Bußgeldes von mindestens 20 Euro, wenn der Pflicht zur Bildung der Rettungsgasse nicht nachgekommen wird.
Verglichen mit 80 Euro für das Befahren eines nicht freigegebenen Seitenstreifens zum schnelleren Vorankommen ist hier eine deutlich höhere Strafe angesetzt.
In meinen Augen sollte das Verhältnis hier umgekehrt sein!
Unsere Nachbarn greifen hier seit 1. Januar 2012 mit 726 Euro beim Missachten der Pflicht und mit bis zu 2180 Euro bei Befahren der Rettungsgasse und der damit verbundenen Behinderung der Einsatzfahrzeuge deutlich tiefer in die Taschen der Bürger.

Ist das Abzocke?

Ich finde nein! Denn ein Menschenleben ist mit keinem Geld der Welt zu bezahlen.
Bei Unfällen kommt es oft auf Minuten an, in denen Die Rettungskräfte am Einsatzort sein müssen.

Darum:

Wenn der Verkehr bereits stockt, sofort Rettungsgasse bilden UND FREIHALTEN!
Keinesfalls nach dem ersten Fahrzeug wieder schließen, denn dann beginnt das Chaos von vorne.